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Weitsichtigkeit (Hyperopie)

Bei Weitsichtigkeit (lat: Hyperopie) ist der Augapfel im Verhältnis zur Brechkraft des dioptrischen Apparats des Auges (Hornhaut und Augenlinse) zu kurz. Weitsichtige Menschen können Dinge in der Nähe nicht scharf, sondern nur verschwommen erkennen. Genau genommen heißt es "Übersichtigkeit", weil der Brennpunkt des gebrochenen Lichts über die Netzhaut (Retina) hinausgeht, aber meist spricht man von "Weitsichtigkeit".

Weitsichtigkeit (Auge)
Weitsichtigkeit (Ursache)

Das Licht fällt nicht punktförmig auf die Makula der Netzhaut, sondern wird dahinter gestreut. Da in der Region der Makula die Licht-Sinneszellen besonders dicht gedrängt sind, ist das Auflösungsvermögen dort besonders groß. Wenn das Licht nicht punktförmig abgebildet wird, kann kein scharfes Bild entstehen.

Man muss eine Weitsichtigkeit (Hyperopie) von einer Altersweitsichtigkeit (Presbyopie) unterscheiden: die Ursachen sind verschieden. Bei der Altersweitsicht kann man wegen fehlender Akkommodationskraft im Nahbereich schlecht sehen. Die Weitsichtigkeit entwickelt sich meist im Kindesalter, die Altersweitsicht macht sich erst ab etwa 35. Jahren bemerkbar.

Ursache der Weitsichtigkeit

Bei Hyperopie ist der Augapfel - gemessen an der Brechkraft des Auges - zu kurz. Die Ursache für diese Verformung ist meist genetisch bedingt. Weitsichtigkeit tritt oft erst im Verlaufe des Wachstums zutage. Sie entwickelt sich meist schon im Kleinkindesalter. Die Verschlechterung der Sehleistung erreicht ihren Höhepunkt mit etwa 8 Jahren. Ab dann wird die Verschlechterung geringer, bis sie mit etwa 15 Jahren fast zum Erliegen kommt.

Man unterscheidet zwei Arten der Weitsichtigkeit:

Warum kann man (nicht) scharf sehen?

Das Licht der Umgebung wandert durch die Hornhaut und trifft auf die Augenlinse. Dort wird es gebündelt und trifft anschließend - normalerweise punktförmig - auf die Netzhaut (Retina) auf der Innenseite des Augapfels. Die Sehzellen (Stäbchen und Zapfen) dort verarbeiten die Lichtinformation und leiten diese über den Sehnerv ins Gehirn weiter. Das neuronale Muster, das im Gehirn daraus gebildet wird, ist quasi unser visuelles Bild von der Welt. Der Ort auf der Augen-Rückseite, wo das Licht normalerweise gebündelt abgebildet wird, nent sich Maklua bzw. im Zentrum Fovea. Dort sind die Sinneszellen besonders dicht gedrängt, so dass das Auflösungsvermögen am höchsten ist (siehe Visus). Alles, was dort abgebildet ist, sehen wir als "scharf".

Die Brechkraft der Linse ist für eine bestimmte "Tiefe" des Augapfels optimiert. Nur wenn die Brechkraft des Auges genau so stark ist, dass das Bild auf der Netzhaut abgebildet wird, entsteht ein scharfer Bildeindruck. Durch Akkommodation kann man die Linse aktiv verformen. Gerade im Anfangsstadium kann man so eine Weitsichtigkeit (oder auch Kurzsichtigkeit) ausgleichen. Das geht jedoch nur bis zu einem gewissen Grad. Irgendwann reicht die Akkommodation nicht mehr aus, dann braucht die betroffene Person eine Brille.

Was tun bei Weitsichtigkeit?

Im Gegensatz zu einer Krankheit ist Weitsichtigkeit nicht heilbar. Wer einmal weitsichtig ist, bleibt es sein Leben lang. Aber wie bei allen brechungsbasierten Fehlsichtigkeiten gibt es im Prinzip drei Möglichkeiten, wieder zu einer normalen Sehschärfe zu gelangen:

Brille gegen Weitsichtigkeit

Am weitesten verbreitet ist sicherlich eine Brille mit Brillenglas, das die fehlende Brechkraft einfach ausgleicht. Schon seit dem Mittelalter sind Brillen bekannt. Das sind Hilfsgläser, die so geformt sind, dass der Sehstrahl so gebrochen wird, das es letztendlich wieder korrekt auf der Netzhaut fokussiert. Die Verformung des Auges wird also durch eine vorgesetzte, konvexe Linse ausgeglichen wird. Heutige Fertigungsprozesse sind so verfeinert, dass ein nahezu perfektes Sehen mit einer Brille möglich ist.

Brille gegen Weitsichtigkeit
Brille gegen Weitsichtigkeit

Kontaktlinsen gegen Weitsichtigkeit

Im Prinzip funktionieren Kontaktlinsen gegen Weitsichtigkeit genauso. Nur dass man die Linse nicht in einem Gestell vor dem Auge trägt, sondern direkt auf der Hornhaut des Auges.

Kontaktlinse gegen Weitsichtigkeit
Kontaktlinse gegen Weitsichtigkeit

Augenlasern gegen Weitsichtigkeit

Alternativ zur Sehhilfe kann man heutzutage die Hornhaut (Cornea) des Auges auch mit Hilfe des Augenlasern so bearbeiten lassen, dass man anschließend wieder ohne Sehhilfe scharf sehen kann (siehe Lasikon: Augenlasern (LASIK) bei Weitsichtigkeit). Die Wölbung der Hornhaut wird im Prinzip einfach so weit abgetragen, dass sie wie eine Linse wirkt.

Augenlasern gegen Weitsichtigkeit
Augenlasern gegen Weitsichtigkeit

Der Grad der Weitsichtigkeit

Die Schwere einer Weitsichtigkeit kann sehr verschieden sein. Da man als weitsichtiger Mensch mit der Weitsicht keine Probleme hat, fällt es im Alltagsleben kaum auf. Wenn, dann bemerkt man es beim Lesen oder bei der Hausarbeit (Nähen, Basteln, Gemüse schälen etc.)

Eine leichte Weitsichtigkeit von weniger als 0,5 Dioptrien gilt als normal und kann, wie gesagt, relativ gut vom Auge ausgeglichen werden. Alles was darüber hinaus geht, bedeutet jedoch eine empfindliche Einschränkung, vor allem beim Lesen. Betroffene Personen sollten sich daher auf jeden Fall eine Lesebrille zulegen.

Weitsichtiges Sehen (Seheindruck)
Weitsichtiges Sehen. Seheindruck eines weitsichtigen Menschen

Kontinuierliche Entwicklung der Weitsichtigkeit

Die Verformung des Augapfels ist ein Prozess, der sich in der Regel über Jahre hinzieht. Es ist daher normal, wenn man eine Lesebrille im Laufe der Zeit anpassen muss. Nicht selten endet der Wachstumsprozess erst um das 25. Lebensjahr herum.

Jedes Auge einzeln prüfen

In den meisten Fällen sind beide Augen von einer Weitsichtigkeit betroffen, aber nicht selten ist die Weitsichtigkeit der einzelnen Augen unterschiedlich stark ausgeprägt. So kann das eine Auge eine höhere Sehschärfe haben als das andere. Der einfachste Test ist, sich mit der Hand abwechseln die Auge zu zu halten, während man die Umgebung anschaut. Wenn man einen online-Sehtest macht, sollte man zunächst jedes Auge einzeln prüfen, bevor man es mit beiden Augen versucht.

Video: Wie funktioniert Weitsichtigkeit?

Was tun bei Weitsichtigkeit?

Kurzsichtigkeit

Der umgekehrte Effekt - also ein verlängerter Augapfel - führt zu Kurzsichtigkeit. Kurzsichtige Menschen können zwar sehr gut lesen (es sei denn, es kommt eine Altersweitsichtigkeit hinzu), aber sie haben Probleme mit der Weitsicht, zum Beispiel beim Auto fahren. Mehr über die Ursachen der Kurzsichtigkeit. Siehe auch: Unterschied kurzsichtig - weitsichtig.

Quellen / Links