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Online-Optiker Netzoptiker insolvent

Netzoptiker pleite?

Netzoptiker – Wie geht es weiter?

Der Online Optiker netzoptiker hat in der vergangenen Woche Insolvenz angemeldet. Wie Gründerszene berichtet, hat das zuständige Amtsgericht Limburg einen Insolvenzverwalter bestellt. Damit ist netzoptiker zwar noch nicht tot, aber schwer angeschlagen. Offenbar funktioniert das Geschäftsmodell nicht. Die Idee war, einen Online-Optiker aufzuziehen, der Brillen mit deutschen Qualitätsgläsern anbietet, die man bequem und einfach von heimischen PC aus bestellen kann. Die Brillenglas-Zulieferer Optovision und Rodenstock produzieren (anders als einige Wettbewerber) in Deutschland nach den hier geltenden Din-Normen und mit den entsprechenden Arbeitnehmerschutzrechten. Dass Netzoptiker es am Ende nicht geschafft hat, lag offenbar an einer verfehlten Marken- und einseitigen Online-Strategie. Im Gegensatz zu Mister Spex, die ihre Marke gut platzieren konnten, war Netzoptiker nicht weitreichend bekannt genug, um direkte Kunden zu gewinnen.

Am Preis lag es nicht

Am Preis kann es wohl nicht gelegen haben. Ein exemplarischer Vergleich der Brille „Polo Ralph Lauren 2065 5276“ (jeweils einfachste Ausführung mit Standard-Gläsern) bei Netzoptiker und bei Mister Spex offenbart:

  • Netzoptiker: 135,00 Eur (siehe)
  • Mister Spex: 140,00 Eur (siehe)
Vergleich der Preise (und des Designs) von netzoptiker und Mister Spex

Vergleich der Preise (und des Designs) von netzoptiker und Mister Spex

Google liefert Kunden

Trotz vergleichbarer Preise hat netzoptiker es also nicht geschafft, sich am Markt zu etablieren. Über die Gründe schweigt man, aber es scheint aus meiner Sicht eine verfehlte Online-Strategie zu sein. Ein Optiker, dessen Kerngeschäft darauf abzielt, Brillen online zu verkaufen, muss natürlich versuchen, die Kunden online zu gewinnen. Und das Tor ins Internet ist und bleibt Google. Wer bei Google vorne ist, gewinnt mehr Kunden. So einfach ist das. Wenn man sich vor diesem Hintergrund die Sichtbarkeitsentwicklung von Netzoptiker anschaut, stellt man fest, dass sich da nicht viel tut. (Datenquelle: Sistrix):

Netzoptiker: Sichtbarkeit bei Google

Netzoptiker: Sichtbarkeit bei Google

Wenn man bei wichtigen Keywords, die von Menschen mit konkreter Kaufabsicht gegoogelt werden, nur auf hinteren Plätzen landet (Beispiel: „Ray Ban Brille“ Mister Spex auf #2, netzoptiker auf #4) dann wirkt sich das auf Dauer auf die Verkaufszahlen aus.

Google Abstrafung Ende Mai?

Mit einer Sichtbarkeit von 5,7 liegt netzoptiker aktuell hinter vergleichbaren Websites wie Fielmann (8,6), Brillen-Sehhilfen.de (8,7) oder Mister Spex (17,1). Ein entscheidender Einbruch kam Ende Mai 2014. Damals hatte Google sein Penguin 2.0-Update eingespielt, das Websites mit unnatürlichem Linkaufbau bestraft hat. Möglicherweise (?) hatte Netzoptiker Links gekauft oder gemietet (bzw. die verantwortliche Seo-Agentur), um mehr Dominanz in der Googlesuche zu gewinnen. Und dann dafür die Quittung bekommen. Man muss ehrlicherweise sagen, dass die Zahlen diese vermutung zulassen, aber nicht eindeutig belegen. Vielleicht haben auch nur andere Wettbewerber deutlich hinzugewonnen…

Rocket Internet – auf Sand gebaut?

Um so erstaunlicher, dass mit Rocket Internet ein Investor an Bord ist, von dem man annehmen sollte, er können solche Startups vernünftig platzieren. Zumal, wenn es um Kundengewinnung über Google geht. Vor dem euphorisch erwartenden Börsengang von Rocket Internet sollte man dieses Beispiel einmal näher anschauen. Sind vielleicht noch andere Rocket-Projekte so Google-abhängig – und wurden sie sauber erstellt und bei Google platziert?

In jedem Fall dürfte sich der direkte Konkurrent Mister Spex sehr freuen. Auch wenn man mit nur ca. 1 Prozent Marktanteil am Brillenverkauf sowieso nur ein Nischendasein fristet – hinter dem großen Marktführer Fielmann und den anderen Optiker-Fachgeschäften. Nach wie vor ist Brillenkauf Vertrauenssache – und eine starke Marke und persönliche Beratung ist immer noch für viele Menschen sehr wichtig – auch wenn man damit am Ende für die gleiche Brille mehr bezahlen muss als bei einem Online-Optiker.

Oder? Wie schätzt ihr das ein? Ist der (vermutete) Zusammenhang zwischen einer (vermuteten) Google-Abstrafung und der Insolvenz plausibel?

Update

Netzoptiker wurde Anfang 2015 von der Myoptique Deutschland Gmbh übernommen und weitergeführt. (Siehe Kommentar unten)

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